Pester Lloyd / Nr. 14-2006 / NACHRICHTEN / Auszug

Fast das ganze Land betroffen – seit Generationen hatte es sich nicht zugetragen, dass Donau und Theiß zur gleichen Zeit Hochwasser führen.

In dieser Woche erreichen die ungarischen Flüsse ihre höchsten Pegel, die den jüngsten Voraussagen zufolge sogar um einige Zentimeter über dem Jahrhundert-Hochwasser vom Sommer 2002 liegen könnten. Im Gegensatz zu früheren Katastropheneinsätzen wird die Lage für die Helfer diesmal dadurch erschwert, dass die großen Flüsse gleichzeitig Hochwasser führen. Besonders schwer betroffen sind das Donauknie, die Oberläufe von Theiß, Hernád und Körös sowie die Abschnitte von Rába und Rábca vor und beim Zusammenfluss mit der Moson-Donau.

Hochwasserstufe III gilt an ca. 850 km Flussläufen im Nordwesten, Nordosten und Südosten des Landes. Die Hochwasserlage an den Flussläufen spannte sich durch das Frühlingswetter mit Temperaturen bis zu 20°C und teilweise ergiebige Regenschauer weiter an. Beide Effekte beschleunigen das Abschmelzen der gewaltigen Schneemassen, die sich im Winter in den Gebirgen der Nachbarländer ansammelten und von den großen Flüssen nach Ungarn transportiert werden. Mittlerweile rechnen Experten mit einem maximalen Pegelstand der Donau von 860 cm, noch ein wenig über dem Rekordpegel des Jahrhundert-Hochwassers von 2002.

Bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe mussten bereits mehrere hundert Menschen in etwa fünfzig Gemeinden überall im Lande evakuiert werden, mindestens 10.000 Häuser sind unmittelbar durch die Fluten bedroht. Wegen unterspülter Bahngleise wurde der Eisenbahnbetrieb auf mehreren Strecken in den Komitaten Komárom-Esztergom und Pest vorübergehend eingestellt; die Reisenden wurden mit Volán-Bussen befördert.

Die Hauptstraße 2 musste unterhalb von Vác in einem Waldstück bei Szödliget vollständig gesperrt werden. An der Hernád sind zahlreiche Verbindungsstraßen durch den Fluss unpassierbar. Für den Publikumsverkehr geschlossen wurden die Margaretenund die Schiffbauinsel in der Hauptstadt. In Gergelyiugornya unweit von Tarpa und Tákos, wo ein Dammbruch vor wenigen Jahren die schwerste Flutkatastrophe im modernen Ungarn ausgelöst hatte, arbeiten die Helfer fieberhaft daran, die Schutzwälle zu stabilisieren.

[Mit freundlcher Genehmigung von Anikó Halmai, Verlagsleiterin des PESTER LLOYD]
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